Nesselsucht
Informationen für Betroffene und Angehörige
Therapie einer Nesselsucht (Urtikaria)
Bei der Therapie einer Nesselsucht muss zwischen einem akuten und einem chronischen Krankheitsverlauf unterschieden werden. Da die akute Urtikaria in der Regel schnell von alleine abklingt und ihre Ursache nicht näher diagnostiziert wird, ist eine Behandlung nicht zwingend erforderlich. Sie erfolgt nur dann, wenn der Juckreiz den Patienten zu sehr quält oder bei schwerem Verlauf schockartige Symptome auftreten.
Akuter Verlauf
Die Therapie beschränkt sich bei einem akuten Verlauf auf eine Symptombehandlung, da die komplizierte Diagnostik der genauen Krankheitsursache in einem solchen Fall nicht durchgeführt wird. Um die Ausbildung der Quaddeln und Angioödeme einzuschränken und vor allem den starken Juckreiz abzuschwächen, werden Antihistaminika eingesetzt. Ihre Wirkung beruht auf einer Unterdrückung der Wirkung von Histamin durch die Blockierung von Histaminrezeptoren im Gewebe. Histamin wird bei einer Nesselsucht von Mastzellen ausgeschüttet und führt zur Ausbildung der beschriebenen Symptome. Bei schwerem Verlauf kann zudem kurzzeitig Kortison verabreicht werden, bei längerfristigem Einsatz sind die u. U. starken Nebenwirkungen des Medikaments problematisch. Bei Verdacht auf eine kontaktinduzierte Urtikaria sollte nach Abklingen der Symptome ein Allergietest durchgeführt werden, um die Ursache ermitteln zu können. Diese sollte dann in Zukunft vom Patienten unbedingt gemieden werden.
Chronischer Verlauf
Die Therapie einer Urtikaria mit chronischem Verlauf wird nach folgendem Schema durchgeführt:
- Meiden der auslösenden Ursache
- Unterdrückung der Ausschüttung von Histamin (z.B. durch Toleranzinduktion)
- Hemmen der Histaminwirkung im Gewebe (z.B. durch Antihistaminika)
Wichtigster Punkt einer dauerhaft erfolgreichen Therapie ist das Diagnostizieren und anschließende Meiden der Ursache der Urtikaria. Da manche Ursachen wie beispielsweise Licht oder Anstrengung nicht vermieden bzw. gemieden werden können, kann hier eine Toleranzinduktion durchgeführt werden. Dazu wird der Patient gezielt kleinen Dosen der krankheitsauslösenden Ursache ausgesetzt, deren Intensität dann kontinuierlich gesteigert wird. Zudem kann eine medikamentöse Therapie eingesetzt werden, insbesondere auch dann, wenn die Ursache der Urtikaria nicht genau identifiziert werden konnte. Die medikamentöse Therapie erfolgt nach einem Vierstufenplan. Zunächst werden Antihistaminika verabreicht, mit denen die meisten Patienten gut therapierbar sind. Stellt sich keine Symptomfreiheit des Patienten ein, so wird im zweiten Schritt die Dosis bis auf das Vierfache der empfohlenen Tagesdosis erhöht. Bleibt auch dies erfolglos, werden im dritten Schritt H2-Rezeptoren-Blocker hinzugefügt, die bestimmte Histaminrezeptoren im Gewebe blockieren. Bringt auch dies keine Symptomfreiheit für den Patienten, so ist die letzte Option die immunsuppressive Therapie, bei der durch Medikamente wie Kortison oder Cyclosporin das körpereigene Immunsystem in seiner Wirkung eingeschränkt wird.
Lydia Köper